Umwelteinflüsse und die Effekte auf die Gesundheit

Reine Luft, sauberes Trinkwasser, eine intakte Natur – das sind Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Umweltprobleme sind demnach auch Gesundheitsprobleme. Belastungen aus der Umwelt zählen neben der sozialen Lage und dem individuellen Lebensstil zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf Gesundheit und Lebenserwartung der Deutschen.

Die Hochhäuser verschwinden hinter einem grauen Schleier, Autos fahren tagsüber mit Licht, viele Menschen tragen Atemmasken: Die Bilder von der Luftverschmutzung in Peking im Frühjahr 2014 sind erschreckend. „Airpocalypse“ haben englischsprachige Medien den Smog in der Megastadt mit ihren rund 16 Millionen Einwohnern getauft, frei übersetzt: das Ende der Welt durch Luftverschmutzung. Auch in europäischen Städten gibt es immer häufiger starken Smog, vor welchem sogar die zuständigen Behörden warnen.

Die menschliche Gesundheit ist aufs Engste mit Umwelteinflüssen verbunden. Reine Luft, sauberes Trinkwasser, eine intakte Natur – das sind Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Umweltprobleme sind demnach auch Gesundheitsprobleme. Über ein Viertel der Menschen in Deutschland glauben, dass Umweltprobleme ihre Gesundheit stark belasten. Das ergab eine Studie des Umweltbundesamtes zum Umweltbewusstsein im Jahr 2012.

Wenn Umweltprobleme in den Medien aufgegriffen werden, nimmt die Diskussion möglicher Gefahren für die Gesundheit einen entsprechend großen Raum ein. Einige Beispiele aus den vergangenen Jahren zeigen, dass es dabei um eine große Bandbreite von Themen geht. Neben dem Smog zählen dazu zum Beispiel Dioxin in Lebensmitteln, Radioaktivität infolge des Reaktorunfalls in Fukushima, Legionellen im Trinkwasser, die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners und die seit langem andauernde Diskussion über Mobilfunk- und zunehmend über WLAN-Strahlung.

Wie groß sind die Auswirkungen?

Wie sich bestimmte Umweltfaktoren konkret auf die Gesundheit auswirken und wie groß die Gesundheitsgefahren genau sind, ist aus methodischen Gründen kaum zu beziffern. Denn viele verschiedene Faktoren wirken sich auf die Gesundheit aus. Zu ihnen gehören neben den Umwelteinflüssen auch die individuelle Lebens- und Ernährungsweise. Auch die einzelnen Umwelteinflüsse sind schwer zu trennen. Sie unterscheiden sich oft von Mensch zu Mensch, zum Beispiel je nachdem, wo sich jemand am meisten aufhält, ob im Freien, in Räumen oder auch in Fahrzeugen.

Regionale Gemeinschaften in Städten und auf dem Land sind dennoch häufig von gleichartigen Umwelteinflüssen betroffen. Darüber hinaus gibt es großräumige Veränderungen durch Klimawandel oder Belastungen durch die Verbreitung von Luftschadstoffen. Um die dadurch entstandenen gesundheitlichen Belastungen zu bewerten und zu vergleichen, werden statistische Berechnungen durchgeführt.

Um Gesundheitsgefahren für größere Gruppen zu bewerten, wird oft die sogenannte Krankheitslast berechnet (englisch: burden of disease). Für die Krankheitslast wird neben anderen Werten errechnet, wie viele Lebensjahre der Bevölkerung insgesamt durch eine bestimmte Beeinträchtigung verloren gehen. In die Berechnungen fließen Daten über Schadstoffbelastungen des Körpers, die Verunreinigung von Wasser, Boden und Luft sowie über die Häufigkeit von bestimmten Krankheiten ein.

Solche statistischen Daten machen deutlich, dass bestimmte Umweltprobleme erhebliche Auswirkungen haben. Allein die Luftverschmutzung ist jährlich weltweit für sieben Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich, so eine Studie der Weltgesundheitsorganisation vom März 2014. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass in Deutschland jährlich durchschnittlich etwa 47.000 vorzeitige Todesfälle auf die Feinstaubbelastung zurückgeführt werden können. Dies entspricht einem Verlust von zehn Lebensjahren pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Diese Gesundheitsschäden bedeuten gleichzeitig auch Kosten für das Gesundheitssystem. Sie stellen also eine finanzielle Belastung für die Gesellschaft dar.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass die Schadstoffbelastung der Bevölkerung in Deutschland insgesamt gering ist. Jedoch sorgen vor allem die Luftverschmutzung und Lärm für Probleme. Darüber hinaus sind die gesundheitlichen Wirkungen vieler heute verwendeten chemischen Substanzen nur wenig erforscht.

Der Gesundheitsbericht des Bundes zählt Belastungen aus der Umwelt dennoch zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf Gesundheit und Lebenserwartung der Deutschen, neben der sozialen Lage und dem individuellen Lebensstil. Zwar fühlt sich mit mehr als einem Viertel ein erheblicher Teil der Bevölkerung betroffen, doch sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Nord- und Westeuropa bis zu zehn Prozent der Gesundheitsstörungen auf Umwelteinflüsse zurückzuführen. Die WHO wendet dabei einen sehr weiten Umweltbegriff an. Neben Aspekten wie Luft- und Wasserqualität oder Lärm fließen auch Wohnverhältnisse und Unfälle ein.

Zu den Umweltfaktoren im engeren Sinne zählt das Umweltbundesamt Wohnungen und Innenausstattung, die Luft in unserer Umgebung, das Trinkwasser, Lebensmittel und Gewässer sowie Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Kleidung und Kosmetik. Diese Umweltfaktoren können mit Schadstoffen oder mit Krankheitserregern verunreinigt oder mit Lärm oder Strahlung verbunden sein. Über die Atemwege, das Verdauungssystem, die Haut oder die Sinnesorgane, insbesondere das Ohr, wirken sie auf den menschlichen Organismus und können die Gesundheit beeinträchtigen.

Die Luftqualität

Saubere Luft zu atmen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Gleichzeitig ist der Mensch für einen Großteil der Verunreinigungen verantwortlich. Kraftwerke, der Straßenverkehr, die Landwirtschaft und die Industrieproduktion sind die Hauptquellen für Schadstoffe in der Luft.

Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub beeinträchtigten die Luftqualität in Deutschland. Sowohl bei Stickstoffdioxid als auch Feinstaub wurden 2013 die zulässigen Grenzwerte überschritten. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes ist die hohe Feinstaubbelastung für rund 47.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Auch bei der Belastung durch den Luftschadstoff Ozon wurden 2013 an etwa acht Prozent der Messstationen die Grenzwerte überschritten.

Feinstaubpartikel gelangen mit der Atemluft tief in die Atemwege und in die Lunge, die kleinsten Partikel sogar aus der Lunge ins Blut und darüber in andere Organe. Die Langzeitbelastung mit Feinstaub wird mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Sie erhöht bei Kindern zum einen das Risiko chronischer Erkrankungen, wie zum Beispiel die generelle Beeinträchtigung der Lungenfunktion, zum anderen treten akute Atemwegserkrankungen häufiger auf, darunter auch Asthma.

Auch in Innenräumen gibt es besondere Luftbelastungen. Zu den gesundheitsschädlichsten zählt Zigarettenrauch. Er betrifft nicht nur Raucher selbst, sondern auch andere Personen, die sich in den gleichen Räumen aufhalten, durch sogenanntes Passivrauchen. Auch anderer Rauch in Innenräumen ist schädlich. So wird vor allem in manchen ländlichen Gegenden Osteuropas mit Holz oder Kohle geheizt und gekocht.

Nahrung und Wasser

Über Nahrung und Trinkwasser können Mikroorganismen oder chemische Stoffe in den Körper gelangen, die Gesundheitsprobleme auslösen. In manchen Regionen der Erde stellt dies eine erhebliche Gefahr dar. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit täglich mehr als 4.000 Kinder an den Folgen von Durchfallerkrankungen, die im Wesentlichen durch verunreinigtes Trinkwasser und mangelnde Hygiene verursacht werden.

In Deutschland ist die Trinkwasserqualität meist sehr gut, so das Umweltbundesamt. Die Behörde weist darauf hin, dass sich auch in aufbereitetem Trinkwasser immer Mikroorganismen (oder umgangssprachlich: Keime) finden. Das sind zum Beispiel Algen, Bakterien oder Viren. Durch Filterung und vereinzelt durch Desinfektion wird die Belastung so gering gehalten, dass das Trinkwasser in der Regel völlig unbedenklich ist. Unter Umständen können Mikroorganismen dennoch Krankheiten auslösen. Meist handelt es sich um Durchfallerreger. Für Probleme sorgen immer wieder Bakterien wie Legionellen oder Pseudomonaden. Sie können sich zum Beispiel innerhalb des Hauses in Leitungen vermehren, dort wo das Trinkwasser zu stark erwärmt wird. Typische Erreger sind auch Salmonellen. Sie können über menschliche oder tierische Ausscheidungen ins Trinkwasser gelangen.

Auch Schadstoffe in Nahrung oder Wasser können die Gesundheit gefährden. Sie sind in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten kaum in Konzentrationen gefunden worden, die unmittelbar zu Krankheitssymptomen führen. Jedoch kann auch die Langzeitwirkung von Stoffen, die häufig in geringen Mengen aufgenommen werden, zu Gesundheitsschäden führen. Zu möglichen Schadstoffen gehören Schwermetalle wie Blei. Fast immer liegt eine Bleibelastung an veralteten Wasserleitungen. Denn bis vor rund 100 Jahren wurden dafür zum Teil Bleirohre verwendet. Blei ist ein Nerven- und Blutgift, das sich im Körper anreichert. Es beeinträchtigt die Intelligenzentwicklung in den ersten Lebensjahren.

Aus der Landwirtschaft können außerdem Düngemittel, aber auch Schädlingsbekämpfungsmittel ins Grundwasser gelangen. Vor allem Nitrat aus Düngemitteln ist gut wasserlöslich. Es wird im Magen zu Nitrit umgewandelt. Dieses zerstört den roten Blutfarbstoff, der dann keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Bei Säuglingen mit Magen-Darm-Infektionen kann dies zur sogenannten Blausucht führen. Nitrit reagiert außerdem mit Nahrungsbestandteilen zu Nitrosaminen, die als krebserregend gelten.

Im Grundwasser werden zudem Spuren von Arzneimitteln nachgewiesen. Ihre Konzentration ist sehr gering; ob und in welchem Maße sie sich auf Lebewesen auswirken, wird derzeit diskutiert.

Lärmwirkung

Das menschliche Sinnesorgan für Schall, das Ohr, ist immer aktiv – auch im Schlaf. Schall wird als Lärm bezeichnet, wenn er störend ist oder Schäden hervorruft. Das kann passieren, wenn er zu stark ist oder zu lange andauert. Kurzzeitiger starker Schall kann zu Schwerhörigkeit führen oder zu Ohrgeräuschen (Tinnitus). Schall wirkt darüber hinaus auf den ganzen Organismus, indem er körperliche Stressreaktionen hervorruft. Er aktiviert das Nerven- und Hormonsystem. Folgen können Veränderungen bei Blutdruck oder Herzfrequenz sein. Auslöser kann bereits typischer Umgebungsschall sein, der gar nicht als besondere Störung empfunden wird – zum Beispiel Verkehrslärm.

Lärm ist in Deutschland ein gravierendes Umweltproblem. In vielen Städten ist es zu laut, auch an vielen Hauptverkehrsstraßen sowie an Bahnstrecken und in der Nähe von Flughäfen. Allein an den vom Umweltbundesamt untersuchten Straßen sind 9,5 Millionen Menschen von Lärm betroffen, der über 55 Dezibel liegt. Bei diesem Pegel können erhebliche Belästigungen und Störungen der Kommunikation auftreten.

Strahlung

Immer wieder in der öffentlichen Diskussion sind verschiedene Formen von Strahlung. Radioaktive Stoffe werden zur Energieerzeugung und in der Medizin verwendet, kommen aber auch in der Natur vor. Ihre Strahlung kann beim Auftreffen auf den Körper Energie abgeben. Ist sie hoch genug, kann es zu schweren Strahlenschäden kommen.

Strahlung, die von Handys und Mobilfunkmasten ausgeht, aber auch von Stromversorgungsnetzen, wird als elektromagnetisches Feld bezeichnet. Auch diese Art der Strahlung kann gesundheitliche Folgen haben. Wenn man mit dem Handy telefoniert, wird ein Teil der Energie des entstehenden elektromagnetischen Feldes im Kopf aufgenommen. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand sind die Grenzwerte ausreichend, um vor nachgewiesene Gesundheitsrisiken zu schützen. Allerdings gibt es Unsicherheiten bei langfristiger intensiver Nutzung von Handys sowie bei der Wirkung auf Kinder. Daher rät das Bundesamt für Strahlenschutz, sich möglichst wenig elektromagnetischen Feldern auszusetzen.

Optische Strahlung, vor allem UV- und Infrarotstrahlung, ist für Menschen gleichzeitig nützlich und gefährlich. Die natürliche Quelle für diese Strahlen ist die Sonne. Wer sich im Übermaß natürlicher oder künstlicher UV- oder Infrarotstrahlung aussetzt, riskiert Schäden an Augen und Haut. UV-Strahlung kann zu Sonnenbrand, Sonnenallergien, Hautalterung und Hautkrebs führen.

Umweltschutz ist Gesundheitsschutz

Gesundheitsschäden durch Umwelteinflüsse sind grundsätzlich soweit vermeidbar, wie es möglich ist, sich diesen Einflüssen zu entziehen. Die Voraussetzungen dafür sind, dass der schädliche Einfluss bekannt ist und dass die individuellen Möglichkeiten es erlauben, den Umwelteinfluss zu meiden. Einzelne Vorsichtsmaßnahmen beim Essen und Trinkwasser sind leicht umzusetzen; das Vermeiden von Luftschadstoffen ist jedoch ungleich schwerer.

Gleichzeitig sind Umweltbelastungen sozial ungleich verteilt. In den meisten Studien zeigt sich bei Menschen mit niedrigem Sozialstatus eine Tendenz zur stärkeren Belastung durch negative Umwelteinflüsse. Sie sind vor allem häufiger von verkehrsbedingten Gesundheitsbelastungen wie Lärm und Luftschadstoffen betroffen. Das belegen beispielsweise die Daten der Umwelt-Surveys des Umweltbundesamtes.

Teil der Arbeit von Gesundheits- und Umweltbehörden wie dem Umweltbundesamt ist es daher zu ermitteln, woher gesundheitlich relevante Umweltbelastungen stammen. Ziel ist, die Entstehung von negativen Einflüssen möglichst zu verhindern.

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Gesundheit
http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit

Bundesamt für Strahlenschutz: Häufig gestellte Fragen
http://www.bfs.de/DE/service/faq/faq_node.html

Umweltbundesamt: Umwelt und soziale Lage
http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/umweltgerechtigkeit-umwelt-gesundheit-soziale-lage

Robert-Koch-Institut: „Gesundheit in Deutschland“ (2015)
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesInDtld/GesInDtld_inhalt.html

Text veröffentlicht unter CC BY-ND 3.0 DE by umwelt-im-unterricht.de.

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